Schlüsseltechnologie

Schlüsseltechnologie jenseits heutiger KI-Agenten

Wenn KI zum Betriebssystem wird

AI-as-OS stellt eine grundlegende Forschungsfrage: Was geschieht, wenn Künstliche Intelligenz selbst zentrale Steuerungsfunktionen eines Betriebssystems übernimmt?
AI-as-OS stellt eine grundlegende Forschungsfrage: Was geschieht, wenn Künstliche Intelligenz selbst zentrale Steuerungsfunktionen eines Betriebssystems übernimmt? Foto: Foto: Magnific/Cyberagentur

Künstliche Intelligenz entwickelt sich vom Assistenzsystem zum zunehmend autonom handelnden Akteur in digitalen Systemen. Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH (Cyberagentur) geht mit „Artificial Intelligence as Operating System“ (AI-as-OS) einen grundlegenden Schritt weiter. Bei einem digitalen Partnering Event am 2. September 2026, von 9 bis 12 Uhr, bringt sie Fachleute zusammen, um Kompetenzen für die Erforschung KI-nativer Betriebssysteme zu vernetzen und mögliche Forschungspartnerschaften für das geplante Forschungsprogramm anzubahnen.

Der technologische Übergang von generativer zu agentischer Künstlicher Intelligenz verändert die Beziehung zwischen Mensch, Software und Computersystem. KI-Systeme erzeugen nicht mehr nur Inhalte. Sie können Aufgaben planen, Werkzeuge einsetzen und Aktionen innerhalb digitaler Systeme zunehmend selbstständig ausführen. Parallel werden KI-Funktionen tiefer in Endgeräte und Systemsoftware integriert.

Mit AI-as-OS greift die Cyberagentur diese Entwicklung auf und denkt sie konsequent weiter. Künstliche Intelligenz soll nicht nur als Anwendung oder Assistenzsystem innerhalb bestehender Betriebssystemstrukturen betrachtet werden. Untersucht werden soll vielmehr, ob KI selbst zum zentralen Steuerungselement eines Rechnersystems werden kann.

Ein solches KI-natives Betriebssystem könnte Systemressourcen wie Prozessorleistung und Arbeitsspeicher datenbasiert, lernfähig und kontextabhängig verwalten. Es könnte Prozesse steuern und dynamisch auf Veränderungen des Systemzustands reagieren. KI könnte zudem unmittelbar in Mechanismen zur Erkennung und Abwehr von Cyberangriffen eingebunden werden.

Damit verändert sich auch die Sicherheitsfrage grundlegend. Je stärker KI-Module Entscheidungen auf systemnahen Ebenen treffen, desto wichtiger werden Nachvollziehbarkeit, Kontrollierbarkeit und Robustheit. Zugleich stellt sich die Frage, welche Entscheidungsbefugnisse einem solchen System übertragen werden können und wie menschliche Kontrolle technisch gewährleistet werden kann.

„Mit AI-as-OS stellen wir bewusst eine Frage, auf die es heute noch keine fertige technische Antwort gibt: Was passiert, wenn Künstliche Intelligenz nicht mehr Gast im Betriebssystem ist, sondern selbst dessen grundlegende Steuerungsfunktionen übernimmt? Genau an dieser Grenze zwischen theoretischer Möglichkeit und technologischer Machbarkeit beginnt für uns disruptive Forschung“, erklärt Dr. Philippe Krajsic, Forschungsreferent Schlüsseltechnologien der Cyberagentur.

Das Forschungsprogramm konzentriert sich auf drei miteinander verbundene Bereiche: die Entwicklung KI-zentrierter Betriebssystemarchitekturen, die Integration KI-nativer Verfahren in Kernfunktionen wie Ressourcenverwaltung, Prozesssteuerung und Speicherorganisation sowie neue Ansätze für Kontrolle, Sicherheit und Stabilität.

Die Fragestellung gewinnt durch die schnelle Entwicklung autonom handelnder KI-Systeme zusätzlich an Bedeutung. International rücken Sicherheit, Identität, Autorisierung und Kontrollierbarkeit von KI-Agenten stärker in den Fokus. Die Herausforderung verschiebt sich damit von der Frage, welche Inhalte ein KI-Modell erzeugen kann, zunehmend zu der Frage, welche Handlungen ein KI-System selbstständig ausführen darf und wie diese technisch kontrolliert werden können.

AI-as-OS setzt noch eine Ebene darunter an. Heutige KI-Agenten sind auf vorhandene Betriebssysteme, Schnittstellen und Berechtigungsmodelle angewiesen. Das Forschungsprogramm untersucht dagegen Architekturen, in denen KI selbst Bestandteil jener Systemebene wird, die Ressourcen, Prozesse und Sicherheitsmechanismen kontrolliert.

Ob eine solche Architektur technisch realisierbar, sicher beherrschbar und bestehenden Betriebssystemkonzepten überlegen sein kann, ist offen. Genau diese Unsicherheit bildet einen wesentlichen Teil des Forschungsgegenstands. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Architektur-, Sicherheits- und Kontrollprinzipien KI-native Betriebssysteme benötigen und wo deren technologische Grenzen liegen.

Partnering Event bringt unterschiedliche Kompetenzen zusammen

Für die Erforschung KI-nativer Betriebssysteme müssen unterschiedliche wissenschaftliche und technologische Disziplinen zusammenarbeiten. Mit dem digitalen Partnering Event am 2. September 2026, von 9 bis 12 Uhr, schafft die Cyberagentur dafür frühzeitig eine Plattform.

Angesprochen sind insbesondere Akteure aus KI-Forschung, Betriebssystem- und Systemsoftwareentwicklung, IT-Sicherheit, Rechnerarchitektur, Ressourcen- und Speichermanagement sowie angrenzenden Forschungsfeldern. Die Teilnehmenden erhalten weiterführende Informationen zu den Forschungsfragen und Zielen von AI-as-OS. Zugleich können sie eigene Kompetenzschwerpunkte vorstellen und potenzielle Partner für die Bildung interdisziplinärer Forschungskonsortien kennenlernen.

Das Partnering Event findet am 2. September 2026, von 10 bis 12 Uhr, digital statt.

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