Ausschreibung für InSuReCS gestartet
Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH (Cyberagentur) veröffentlichte am 27. August 2026 die Ausschreibung für das Forschungsprogramm „Reconfigurable Intelligent Surfaces for Resilient Communication and Sensing (InSuReCS)“. Gesucht werden innovative Forschungsansätze für adaptiv steuerbare Metaoberflächen, die eine resiliente Kommunikation und Aufklärung in hochmobilen Einsatzszenarien ermöglichen sollen. Bewerbungen sind bis 27. Oktober 2026 möglich.
Drahtlose Funkkommunikation ist für mobile Einsatzkräfte unverzichtbar. Gleichzeitig kann sie durch gegnerische elektronische Kampfführung aufgeklärt, gestört oder zur Lokalisierung eigener Kräfte genutzt werden. Moderne kryptographische Verfahren schützen die übertragenen Informationen. Sie verhindern jedoch nicht, dass Funkübertragungen detektiert und ihre Quellen lokalisiert werden können. Der Schutz der eigenen elektromagnetischen Signatur ist deshalb ein operativ wichtiger Bestandteil der Communications Security (COMSEC).
Technische und taktische Maßnahmen wie Frequency Hopping, Burst-Übertragungen, Richtfunk, kurze Sendezyklen oder hohe Mobilität reduzieren dieses Risiko bereits heute und sind gängige Praxis. Sie können jedoch Reichweite, Flexibilität und Verfügbarkeit der Kommunikation einschränken. Gleichzeitig steigt der Bedarf an breitbandigen und resilienten Datenverbindungen. Dies gilt insbesondere für taktische Datenlinks, vernetzte Sensorsysteme und kontinuierlich aktualisierte Lagebilder im „Military Internet of Things“.
Hier setzt InSuReCS an. Im Forschungsprogramm soll eine adaptiv steuerbare Sende- und Empfangstechnologie auf Basis intelligenter Metaoberflächen entwickelt werden. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Reconfigurable Intelligent Surfaces (RIS). Diese technisch rekonfigurierbaren Oberflächen können elektromagnetische Signale gezielt beeinflussen und dadurch deren Ausbreitungsweg verändern.
„Mit InSuReCS wollen wir einen Technologiesprung in der sicheren Funkkommunikation untersuchen: Nicht allein das übertragene Signal, sondern auch sein Ausbreitungsweg soll künftig flexibel an die jeweilige Einsatzsituation angepasst werden können. Gelingt es, intelligente Metaoberflächen dafür nutzbar zu machen, können sie einen wichtigen Beitrag leisten, Kommunikation resilienter zu gestalten und zugleich die Aufklärbarkeit eigener Kräfte zu reduzieren“, erklärt Dr. Fabian Schrumpf, Leiter Vertrauenswürdige Kommunikation bei der Cyberagentur.
Ziel ist es deshalb, Kommunikation und Aufklärung nicht ausschließlich über direkte Funkverbindungen zwischen Sender und Empfänger zu ermöglichen. Stattdessen sollen Signale über geeignete Zwischen- oder Relaisstationen gezielt weitergeleitet werden. Auf diese Weise sollen Übertragungswege dynamisch an die jeweilige Situation angepasst und die Möglichkeiten zur Ortung eigener Kräfte anhand ihrer Funkkommunikation reduziert werden.
Die zu entwickelnde Technologie soll bestehende Funktechnik ergänzen und deren Fähigkeiten beispielsweise hinsichtlich Bandbreite, Frequenzbereich und Richtcharakteristik erweitern. Gleichzeitig nimmt InSuReCS zukünftige Kommunikationsanwendungen in den Blick. Von besonderem Interesse ist die Verbindung von Kommunikation und Sensorik im Sinne von Integrated Communication and Sensing (ISAC). Dabei können Funksignale nicht nur zur Datenübertragung, sondern zugleich für aktive und passive Aufklärungs- und Sensorikaufgaben genutzt werden.
Risikoforschung mit Blick auf 6G-Technologien
InSuReCS ist als disruptive Risikoforschung angelegt. Intelligente Metaoberflächen werden auch mit Blick auf künftige Mobilfunkgenerationen wie 6G bereits untersucht – allerdings im statischen Umfeld. Die Cyberagentur will erforschen lassen, ob und wie sich diese Technologie für hochdynamische Konflikt- und Krisenbewältigungsszenarien adaptieren lässt.
Zu den zentralen Forschungszielen gehören eine weitgehend plattformunabhängige Einsetzbarkeit, die Integration in bestehende und zukünftige Funkanwendungen sowie die kontinuierliche Anpassung der RIS-Konfiguration in hochmobilen Einsatzszenarien. Im Erfolgsfall sollen mobile Einsatzteams von einer breitbandigen, resilienten und sicheren Kommunikation und Fernaufklärung mit hoher Richtwirkung profitieren.
Das Forschungsprogramm ist dem Themenfeld Vertrauenswürdige Technische Wertschöpfungsketten zugeordnet. Mit der Ausschreibung richtet sich die Cyberagentur insbesondere an Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen mit Kompetenzen unter anderem in Funk- und Nachrichtentechnik, Hochfrequenztechnik, Metaoberflächen, Antennentechnik, Sensorik, Software Defined Radio sowie Kommunikations- und Informationstechnik.
Die Ausschreibung wurde u.a. auf E-Vergabe-Online.de veröffentlicht: https://www.evergabe-online.de/tenderdetails.html?3&id=885697. Ende des Teilnahmewettbewerbs ist der 28.10.2026, 10:00 Uhr. Interessierte Forschungseinrichtungen und Unternehmen sowie Startups können ab sofort ihre Teilnahme bekunden. Eine Beteiligung ist sowohl allein als auch im Konsortium möglich.