Schlüsseltechnologie

Quantenrisiko für Behördennetze

Experte der Cyberagentur auf der PITS 2026

Dr. Daniel Reiche bringt die Quantentechnologie-Expertise der Cyberagentur in das PITS-Panel „Doctor Quantum“ ein.
Dr. Daniel Reiche bringt die Quantentechnologie-Expertise der Cyberagentur in das PITS-Panel „Doctor Quantum“ ein. Foto: Cyberagentur

Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH (Cyberagentur) beteiligt sich als Partnerin an der PITS 2026 und bringt ihre Expertise zu Quantentechnologien in das Panel „Doctor Quantum“ ein. Dr. Daniel Reiche diskutiert dort, wie öffentliche Netze rechtzeitig quantensicher werden. Das Interview ordnet Risiken, Schutzoptionen und Forschungsprogramme ein.

Auf dem Panel „Doctor Quantum – Neue Technologien für sichere öffentliche Netze“ diskutieren Dr. Daniel Reiche, Referatsleiter Quantentechnologie der Cyberagentur, Dr. Matthias Peter, Fachbereichsleiter Kryptographie und VS-IT-Management beim BSI, Dr. Michael Littger, Strategy Director beim cyberintelligence.institute, und Thomas Maxeiner, Director Technical Solutions Public Sector Germany bei Palo Alto Networks über die Frage, wie Staat und Verwaltung öffentliche Netze auf eine technologische Entwicklung vorbereiten, die Verschlüsselung, Sensorik und sichere Kommunikation grundlegend verändern kann.

Mit Dr. Daniel Reiche bringt die Cyberagentur ihre fachliche Perspektive zu Quantentechnologien in die PITS 2026 ein. Dr. Reiche ist seit dem 1. Februar 2026 Referatsleiter Quantentechnologie in der Abteilung Schlüsseltechnologie der Cyberagentur. Der promovierte theoretische Physiker arbeitet an der Schnittstelle von Quantenoptik, Quantentechnologien, Quantensensorik, Technologietransfer und sicherheitspolitischer Bewertung.

Drei Fragen an Dr. Daniel Reiche

Heute verschlüsselte Verwaltungsdaten können bereits abgegriffen und gespeichert werden. Wie groß ist die Gefahr, dass solche Daten später mit leistungsfähigen Quantencomputern entschlüsselt werden?

Groß genug, um zu handeln. Es herrscht Einigkeit unter den meisten Expertinnen und Experten, von Forschung bis Politik, dass Quantencomputer eine kryptographisch relevante Leistungsfähigkeit innerhalb der nächsten Jahre entwickeln könnten. Teil der strategischen Arbeit bei der Cyberagentur ist es aber auch, Marketing von Realität zu trennen. Neben konkreten Vorbereitungen auf den sogenannten Q-Day, d.h. wenn Entschlüsselung durch Quantencomputer möglich wird, setzen wir daher auch einen verstärkten Fokus auf konkrete Anwendungsszenarien. Über einfache Erwartungshaltungen hinaus, was sein könnte, wollen wir genau wissen, wann es soweit ist und wie wir es gestalten.

Post-Quanten-Sicherheit klingt nach Kryptografie. Tatsächlich betrifft sie aber Netze, Beschaffung, Standards, Alt-Systeme und kritische Verwaltungsdaten. Wo liegt aus Ihrer Sicht die größte Schwachstelle des öffentlichen Sektors?

Möglicherweise in dem Missverständnis, dass IT kein notwendiges Übel ist, sondern der Kern der modernen Verwaltung. Lösungen können nur mit übergreifenden Ansätzen und teilweise signifikantem Aufwand erarbeitet werden. Das fällt allen schwer. In der Cyberagentur nutzen wir standardmäßig Strukturen zum interdisziplinären Austausch. Die Antwort auf aktuelle Fragen ist nicht die Post-Quanten-Sicherheit allein. Sie kann aber doch ein relevanter Faktor im Umbau zu einem sicheren IT-System werden, vom Netz, über Standards, bis hin zum Grundverständnis bei den Anwenderinnen und Anwender.

Die Cyberagentur beauftragt Forschung zu mobilen Quantencomputern und zu Seitenkanalangriffen mit Quantensensorik. Was lernen wir daraus über künftige Angriffe auf staatliche IT – und über neue Schutzmöglichkeiten?

Die Liebe zum Detail und die Notwendigkeit zur Flexibilität. Liebe zum Detail heißt, es reicht nicht, breite Programme zur Transformation staatlicher IT aufzusetzen. Insbesondere im Schutz vor Angriffen muss noch so jede technische Kleinigkeit verfolgt werden.

Flexibilität heißt, die Entwicklungen sind im wahrsten Sinne disruptiv: Ursprünglich linear durchgeplante Forschungsprogramme können sich schlagartig beschleunigen oder in neue Richtungen entwickeln, da müssen wir Schritt halten können.

Cyberagentur Partner auf der PITS 2026

Die Cyberagentur gehört zu den Partnern der PITS 2026. Die Public IT Security richtet den Blick auf die digitale Sicherheit des öffentlichen Sektors. Sie bringt Fachleute aus Verwaltung, Sicherheitsbehörden, Forschung und Wirtschaft zusammen. Im Mittelpunkt stehen Themen wie sichere Behördennetze, Cloud-Strukturen, Künstliche Intelligenz, IT-Sicherheitskompetenzen und der Schutz öffentlicher Infrastrukturen vor professionellen Cyberangriffen. Das Panel „Doctor Quantum – Neue Technologien für sichere öffentliche Netze“ greift ein zentrales Thema der Cyberagentur auf.

Die Forschungsprogramme aus dem Themenfeld Quantentechnologien der Cyberagentur docken an die Herausforderungen, technologische Entwicklungen mit möglicher disruptiver Wirkung frühzeitig zu identifizieren und für die innere und äußere Sicherheit nutzbar zu machen, an. Quantentechnologien können bestehende kryptografische Schutzmechanismen herausfordern. Zugleich eröffnen sie neue Möglichkeiten für sichere Kommunikation, präzisere Sensorik und neue sicherheitsrelevante Anwendungen.

Im Forschungsprogramm „Mobiler Quantencomputer – Quantenprozessoren für den mobilen Einsatz in Verteidigungs- und Sicherheitsanwendungen“ (MQC)untersucht die Cyberagentur, wie Quantenprozessoren perspektivisch mobil, robust und anwendungsnah in sicherheitsrelevanten Szenarien eingesetzt werden können. Dabei geht es nicht nur um Rechenleistung, sondern auch um die Frage, wie Quantentechnologien außerhalb hochspezialisierter Laborumgebungen praktisch verfügbar werden können.

Das Forschungsprogramm „Seitenkanalangriffe mit Quantensensorik“ (SCA-QS) nimmt eine andere sicherheitsrelevante Perspektive ein. Seitenkanalangriffe nutzen physikalische Begleitinformationen technischer Systeme. Dazu zählen elektromagnetische Abstrahlung, Stromverbrauch oder zeitliche Muster. Quantensensorik könnte solche Messungen künftig deutlich präziser machen. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an Hardware-Sicherheit, Schutzkonzepte und technische Risikobewertung.

Post-Quanten-Sicherheit ist damit kein Spezialthema für Kryptografie allein. Sie betrifft Bestandsaufnahmen vorhandener IT-Systeme, Migrationspfade, Standards, Beschaffung, Schutzbedarfe und die langfristige Vertraulichkeit staatlicher Daten. Für Staat und Verwaltung ist entscheidend, frühzeitig zu wissen, welche Systeme betroffen sind und welche technischen, organisatorischen und strategischen Schritte notwendig werden.

Weiterhin wird die Cyberagentur die Plattform der PITS 2026 nutzen, um auf ihren neuen Ideenwettbewerb „HAL2027: Cybersicherer Verwaltungsarbeitsplatz der Zukunft“ aufmerksam zu machen. Die Veranstaltung in Berlin bietet das richtige Forum, wenn es um neue Ideen geht und sich für das nächste „Update“ von Digitalisierung und Cybersicherheit in der Verwaltung von übermorgen zu engagieren.

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